When I was your age, Mark Wahlberg was a rapper called Marky Mark – I still love the 90’s.

Ich glaube, wann immer man nach seinem Lieblingsjahrzehnt gefragt wird, wird man dasjenige nennen, in dem man ein Teenager war. In diesem Alter ist jedes Jahr anders. Und kommt einem daher wie eine Ewigkeit vor. Nie wieder entdeckt man so viele Dinge, gibt es so viele erste Male wie in den Jahren zwischen 11 und 19. Bei meinen Eltern sind das vor allem die 60er, die heutigen Mittzwanziger nennen die 2000er Jahre (allein die umständliche Bezeichnung ist doch schon ätzend).

Ich bin ohne Zweifel ein Kind der 90er. Da ich 1980 geboren bin, konnte ich das gesamte Jahrzehnt als Teenager erleben. Ich halte das auch heute noch für ein absolut großartiges Geschenk. Das man selbstverständlich erst im Rückblick zu schätzen weiß.

Ich habe in den letzten zehn Jahren oft darüber nachgedacht, wann ich in meinem Leben eigentlich am glücklichsten und sorgenfreisten war. Und ich kam schnell zu einem Ergebnis: 1992. Ja, die Mode war fürchterlich und die Musik auch. Aber alles war so neu. Der toupierte Pony, die grüne Mascara (empfohlen von Mama, „Das passt suuuper zu deinen braunen Augen!“), die Levi’s 501 , das schulterfreie Top (ebenfalls gestylt von Mama. Leider mussten wir mit einem Gummiband tricksen, da das Ding auf meinen Schultern partout nicht halten wollte), die Nike High-Tops in Weiß mit Lila und Orange. Die erste Unterstufendisco an der Schule. Die Garagenparty zu meinem zwölften Geburtstag. Mit Jungs. Woah! Und dem aktuellen Album der New Kids on the Block. Auf Schallplatte selbstverständlich. Ja, richtig gelesen. Das sind diese schwarzen, runden Dinger, die sich früher oben auf der Stereoanlage gedreht haben. Liebe Generation YouTube, let me google that for you.

Jason Priestley hing in Lebensgröße über meinem Bett (ja, ich war Team Brandon. Dylan war mir immer zu wild. Auch heute überzeugt mich eher sein Porsche 356.) Und um ihn herum war die Wand tapeziert mit ungefähr jedem Michael Jackson Poster, das jemals gedruckt wurde. Ok zugegeben, in der heutigen Zeit hätte sowas einen seltsamen Beigeschmack. Damals war er noch skandalfrei. Und ich finde, für eine Zwölfjährige hatte ich schon einen bestechend guten Musikgeschmack.

Irgendwann habe ich unbewusst damit angefangen, mir diesen emotionalen Happy Place Stück für Stück wieder zurückzuholen. Vor allem durch die Musik. Ich habe alte CDs entstaubt, vom Radio aufgenommene Kassetten durchforstet. Und hatte bei jedem Lied sofort einen Throwback, der mir wieder genau das Gefühl vermittelte, das ich damals gehabt hatte. Auch meine alten Lieblingsserien waren wieder zu Gast in meinem Wohnzimmer. Beverly Hills 90210, Baywatch… ach, herrlich.

Und dann geschah vor ein paar Jahren das Unfassbare: Irgendjemand hatte beschlossen, dass die frühen 90er ein Revival erfahren sollten. Die Musik klang plötzlich wieder genau so, die Hoodies, Sneakers und Mom Jeans kamen zurück (und ich frage mich seitdem: warum zur Hölle haben wir uns jemals in diese grauenhaft unbequemen Hüfthosen gequetscht??) und bei meinen 25jährigen Kollegen hatte ich auf einmal einen Stein so groß wie Texas im Brett, weil ich ohne zu überlegen aufsagen konnte, dass AaliyahsTry again“ auf dem Soundtrack von „Romeo must die“ zu finden und der Ohrwurm von „Booti Call“, der sie schon seit Wochen nervte, ein Song von BLACKstreet ist. Die Praktikantin machte in einem Tupac Shirt in der Küche Kaffee.

Kurz gesagt: ich war im siebten Himmel. Endlich konnte ich meine verstaubte Nostalgie ganz ungeniert ausleben – die mich im Geheimen schon an eine verkappte Midlifecrisis glauben lassen hatte. Nach kurzzeitigem Fremdeln füllen meinen Kleiderschrank seitdem wieder unzählige weiße Sneakers, Sweatshirts und bequeme Jeans. Und das Beste: Ich kann endlich auf all die Konzerte gehen, für die ich damals noch zu jung gewesen bin, da die mittlerweile größtenteils erfolglosen – und minimal gealterten – Damen und Herren auch ihr Stück vom großen 90er-Revival-Kuchen abhaben möchten.

Joey and me ♥. Mein 12jähriges Ich ist endlich versöhnt. Mein 32jähriges schielt grenzdebil rüber zu Donnie.

Mit 12 hatten mir meine Eltern verboten, die New Kids live zu sehen – verständlicherweise. Dieses Trauma konnte ich mit 32 aus der Welt schaffen. Inklusive einem Bild mit Joey – Verzeihung: JOE. Die Zeiten ändern sich. Die Credibilityansprüche auch.- McIntyre, in den ich damals verliebt gewesen war. Und einer einschneidenden Begegnung mit Donnie Wahlberg (richtig, Marks großem Bruder), den ich früher eher unattraktiv gefunden hatte. Er hatte mich in der Sekunde, in der er mich, als ich ihm höflich meine Hand hinstreckte – denn so war es mir von der ultrawichtigen Security unter Androhung von Folter vorgeschrieben worden – , um hallo zu sagen, ansah, als wollte ich ihn verarschen. Um daraufhin breit grinsend die Arme auszubreiten und mich an seine mittlerweile 43jährige, aber zweifelsohne extrem gut durchtrainierte Brust zu drücken. Und da dachte man, das Thema mit den Bad Boys hätte man hinter sich gelassen. Klasseeeeee.

Auch Brandy haben Jasmin und ich endlich live gesehen. Von dem Boyz II Men Konzert, für das wir extra nach Frankreich gefahren sind, ganz zu schweigen. Und auch die Welttournee der Backstreet Boys kam meinem Seelenfrieden sehr entgegen.

Natürlich muss man nicht alles mitmachen. Bauchnabelpiercings finde ich inzwischen sehr unschön, Buffalos ebenfalls. Und ich bin froh, dass das Arschgeweih bisher kein Revival erfahren hat. Ein bisschen aufpoliert wurden sie doch, die guten alten 90er. Und trotzdem haben sie es geschafft, den ganz besonderen Spirit und das wohlig-warme Gefühl einer sorgenfreien Kindheit wieder zu einem essentiellen Teil meines Alltags zu machen. Zumindest teilweise. Und die Nike High-Tops würde ich auch heute wieder anziehen.

Danke, 90’s. You’re in my heart forever. HEGDL.

So ist das nämlich. Die Antwort auf alle meine Fragen. Offenbar hat aber keiner von denen was davon mitbekommen. Und dann haben sie einfach andere Frauen geheiratet. Frechheit.

Habt Ihr auch ein Lieblingsjahrzehnt? Und was verbindet Ihr damit? Schreibt uns Eure Erinnerungen – und wovon sie heute noch ausgelöst werden – unten in die Kommentare oder bei Facebook oder Instagram. Wir freuen uns auf Eure Geschichten.

2 thoughts on “When I was your age, Mark Wahlberg was a rapper called Marky Mark – I still love the 90’s.

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