Turning 40. Oder: Die Kammer des Schreckens.

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Ich bin noch 39. Noch eine ganze Weile, um genau zu sein. Etwa ein dreiviertel Jahr. Und kein Geburtstag hat mir je eine solche Angst eingejagt wie der kommende. Außer dem 30. Und dem 21. Und dem 29. Ok, ich geb’s zu. Ich kann meinem Geburtstag schon seit längerer Zeit nicht mehr viel abgewinnen. Im Rückblick finde ich das äußerst dämlich. Ein Tag für mich ganz allein, an dem ich bestimmen kann, wo’s langgeht. Eigentlich ziemlich cool. Und das auch noch im Frühling, meiner liebsten Jahreszeit. Es könnte allerdings sein, dass diese Liebe durch die Lage meines Geburtstages bedingt ist. Huhn oder Ei. Whatever. Jedenfalls sollte man diesen Tag in höchstem Maße zelebrieren, im Besonderen, wenn die vordere Zahl noch eine 1 oder 2 ist. In jüngster Zeit ist mir auch die 3 ans Herz gewachsen. Aber wie heißt es so schön: Im Abschied wird die Zuneigung zu den Dingen, die uns lieb sind, immer etwas wärmer.

Nur….40. VIERZIG. Vor nicht allzu langer Zeit war man da alt. Und zugegebenermaßen fand ich das auch, besonders in meinen Zwanzigern. Und wenn ich ehrlich bin….auch heute noch. 40 – die magische Grenze, an der besonders Frauen ihre Halbwertszeit überschritten haben. Da fragt ja schon gar keiner mehr, wie es mit Kindern aussieht. Ersetzt durch ein mitleidiges „Oh, tatsächlich schon 40?“ und einer peinlichen Gesprächspause, in der man das „tja, das ist wohl ums Eck“ trotzdem deutlich hören kann. Da hilft es auch nicht, dass man eigentlich immer gesagt bekommt, dass man 10 Jahre jünger aussieht. Überraschung, ich fühl mich auch so. Genauer gesagt habe ich den Eindruck, dass ich seit meinem 21. Geburtstag innerlich nicht mehr sonderlich gealtert bin.

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Mehr Erfahrung gesammelt, die einen souveräner macht. Ok ja. Aber auch nur bedingt. Die Situationen, in denen ich weinen möchte, hoffe, dass sich subito ein Loch im Boden auftut oder alternativ wegrennen möchte, sind nicht unbedingt weniger geworden. Man hält sie nur irgendwie aus. Wär ja sonst peinlich. Und überhaupt ist doch alles 10 Jahre nach hinten verschoben. Wir tragen wieder Mom Jeans, treiben uns bei Instagram rum und hören die an die 90er angelehnten RnB Tunes, die wieder total hip sind. Easy, denn wir haben das alles ja schon mal mitgemacht. Und trotzdem. VIERZIG. Das einzige, was sich nicht überlisten lässt, ist die Zeit. Und die Biologie.

Mit meiner Erfahrung nochmal 28 sein – ich könnte die Weltherrschaft an mich reißen. Realistisch betrachtet muss ich mich aber mit anderen Dingen befassen. Beispielsweise damit, wie und ob ich meinen 40. Geburtstag feiern möchte. Die Idealvorstellung wäre eine dreitägige Hipsterparty, vorzugsweise in einem Haus mit Pool am Meer, mit allen Menschen, die ich gern habe, vielen grauen und rosegoldenen Heliumballons und einer überdimensionalen, ebenfalls mit Helium gefüllten 30 – Verzeihung 40 (omfg), selbstverständlich auch in rosegold. Und das ganze bei lauten RnB und Hip Hop Beats. Hauptsächlich aus den 90ern natürlich. Schließlich werde ich 40.

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Stattdessen frage ich mich, ob ich das Gartenfest wegen der Kinder um 15.00 oder um 16.00 Uhr starten und ob ich wohl besser einen Zaun um den Teich ziehen lassen sollte. Damit kein Kind meiner Gäste reinfällt. Andererseits ist es hell und bis es dunkel ist, sind 95% meiner Gäste sowieso schon wieder verschwunden. Um 17.00 Uhr erst gekommen, weil der Große die Windeltasche beinah im Klo runtergespült hätte und die Mittlere sich noch kurz mit Omas Kirschsaft eingesaut hat. Aber um 18.30 Uhr muss der Kleinste ins Bett und die Eltern ja eh früh raus. Da langt’s jetzt auch wieder für ein Jahr mit der Kompletteskalation bei Feierlichkeiten außerhalb des 20-Meter-Radius um das eigene Anwesen. Schönen Geburtstag noch, tschüss dann. Und dann sitzt du da um 20.00 Uhr, allein vor deinem Aperol Sour und stellst fest, dass du zu betrunken bist, um noch zu fahren und alle, die dich hätten nach Hause bringen können, inzwischen beim Vorlesen der Gute-Nacht-Geschichte noch vor ihren Nachkommen schnarchend vornüber gekippt sind. Na dann… Happy Birthday.

Überhaupt verbringe ich große Teile meiner Geburtstagsfeierlichkeiten seit Jahren tagsüber, aus Rücksicht auf die Kinder. Glücklicherweise wurde ich in diesem Jahr von meinen Kolleginnen (allesamt 10 bis 15 Jahre jünger als ich) gezwungen, noch was anderes zu machen. Es gab zwar kein Besäufnis mit anschließender komatöser Regeneration (die dauert ja inzwischen ohnehin 3 Tage und so viel Lebenszeit möchte man in meinem Alter dann doch nicht mehr dafür aufwenden), aber wenigstens hätte es auch genauso gut mein 29. Geburtstag sein können. Die Einsicht kam spät. Der nächste ist schon 39a. Oder wie ich ihn lieber nenne: 29k. Meine Kollegin meinte, das würde als Ballon aussehen, als feierte ich meinen 29.000. Insta-Follower. Eigentlich ist diese Vorstellung gar nicht so übel. Und es sind ja noch 9 Monate. In diesem Sinne: Prost.

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