Sunday Blues – wieso mein Manic Monday manchmal schon sonntags beginnt.

Sunday Blues Bild mit Frau vor dem Bett

Montags nach einem entspannten Wochenende keine große Lust auf früh aufstehen und Arbeit zu haben, ist glaube ich der normale Sunday Blues. Gerade in jüngeren Jahren zerschießt man sich durch durchtanzte Nächte ja gerne mal den Schlafrhythmus, schlimmstenfalls gefolgt von einem unfassbaren Kater, der einen sonntags erst in den Nachmittagsstunden wieder unter den Lebenden weilen lässt. Kennt man.

Ich eigentlich nicht. Ja, man mag das spießig finden, aber auch zu Schul- und Studiumszeiten war ich immer ein Frühaufsteher. Ich liebe die frühen Morgenstunden und mag es bis heute nicht besonders, erst bei Sonnenaufgang schlafen zu gehen – obwohl ich das unlängst erst wieder mal gemacht habe und es war wirklich toll. Allerdings vor allem deswegen, weil ich nach knapp 4 Stunden wieder ziemlich ausgeschlafen war. Und weil der Abend es einfach wert war. Und ich rechtzeitig mit dem Trinken aufgehört hatte.

Ich vertrage nämlich kaum was. Und habe mir seit dem letzten  – und einem meiner extrem seltenen – wirklich schlimmen Kater, bei dem ich den ganzen Tag über nicht mal Wasser bei mir behalten konnte, geschworen, dass ich zu alt bin, um auch nur eine Minute Lebenszeit dafür zu verschwenden. Kein Suff ist so gut, dass er das wert wäre. Und zum Glück muss man sich mit über 40 dazu nur von ganz wenigen hängengebliebenen Saufköpfen noch dumme Kommentare anhören. Egal.

Alkohol hat mir selten einen Sunday Blues beschert. Was aber dann?

Mein ganz persönlicher Sonntagsversauer ist aber der klassische Sunday Blues, auch unter dem Namen „Sunday Night Blues“ bekannt. Auch hier habe ich wieder einmal die Erfahrung gemacht, dass dies entgegen meiner Meinung, das sei mal wieder nur meine ganz individuelle Persönlichkeitsstörung, ein weit verbreitetes Problem ist. Wenn auch aus unterschiedlichsten Gründen.

Man kann den Sonntag doof finden, weil man eine Fernbeziehung hat und das der Abschiedstag ist. Oder weil man da immer die ungeliebte Verwandtschaft besuchen muss. Weil man allein auf dem Sofa sitzt oder Angst vor der neuen Arbeitswoche hat.

Bei mir ist es eine Mischung aus den letzten beiden, mit einer großen Abhängigkeit zur Arbeit. Ja OH GOTT, jetzt heult die schon wieder wegen der Arbeit rum. Ja, richtig. Weil sie einen Großteil meines Tages einnimmt, meine Existenz davon abhängt und ich leider aktuell keine größeren Probleme habe. Wie das halt so ist bei kinderlosen Singles.

Ich bin ein Overthinker, das ist kein Geheimnis. Und das nimmt immer proportional zu meiner Unsicherheit zu. Das werde ich nie abstellen können, so bin ich strukturiert. Ich funktioniere so, dass ich das Gefühl habe, durch Analyse mehr Kontrolle zu haben. Was natürlich nur bis zu einem gewissen Grad funktioniert. Sich vorzubereiten ist das eine. Alle Individualitäten bis aufs Kleinste durchdacht zu haben, um ja von nichts überrascht zu werden, ist eine ganz andere Nummer. Und geht eigentlich immer schief.

Selbstreflektiert bin ich – habe ja auch genug darüber nachgedacht. Viel interessanter ist aber, welche Faktoren meinen Sunday Blues verstärken – manchmal sogar zu einem Ausmaß, das aus dem Sunday Night ganz locker einen Saturday Noon Blues macht – und welche Dinge mir helfen, dagegen anzukommen.

Wichtigstes Gebot in der Sunday Blues-Gedankenspirale: Don’t panic.

Im Oktober letzten Jahres hatte mein Kollege zum ersten Mal Urlaub, seit ich einen Monat zuvor den Job angefangen hatte. Wie ich ja schon in früheren Blogeinträgen erzählt habe, bin ich fachfremd. Von meiner Arbeitsroutine aus dem Job davor ist so gut wie nichts mehr übrig. Was neben des komplett neuen Aufgabengebietes auch daran liegt, dass ich mich sehr schnell verunsichern lasse, sobald ich mein sicheres Terrain verlasse.

Schon Wochen vorher hatte ich Angstzustände und Alpträume. Der zweite Kollege in unserem Team ist kompletter Berufsanfänger. Also war ziemlich klar, wer während der Abwesenheit meines anderen Kollegen das Ruder übernehmen muss, zumal ich eine der beiden Wochen komplett alleine war. Das hat mich trotz meiner langen Berufserfahrung völlig fertig gemacht. Und ich war heilfroh, als die beiden Wochen vorbei waren.

Geholfen hat mir, dass ich irgendwann noch ein zweites und drittes Projekt dazubekam. Was mich zuerst ebenfalls sehr gestresst hat, denn ich fühlte mich ja ohnehin schon überfordert und völlig fehl am Platz. Hierdurch war ich aber etwas aus der Schusslinie genommen. Ich musste mich mit einer weiteren Kollegin bezüglich Vertretung abstimmen, sodass der erste Ansprechpartner in der Urlaubssituation im Hauptprojekt plötzlich mein junger Kollege war. Auch nicht cool, aber sehr entlastend für mich.

Wenn der junge Kollege dir zeigt, wie’s gemacht wird – einfach mal zuschauen.

Und auch lehrreich, denn ich konnte beobachten, wie er die Situation mit kaum vorhandener Berufserfahrung, aber viel mehr Gelassenheit sehr gut gemeistert hat. Und noch eine Erkenntnis ereilte mich in dieser Zeit: Die beiden neuen Projekte hatte ich nach kürzester, wenn auch harter Zeit komplett im Griff. Durch Eigenverantwortung und einen unterstützenden Projektpartner. Das, was ich oft als hilfreich wahrgenommen hatte – nämlich dass mein einer Kollege alles im Team managt – ist mir zum Verhängnis geworden. Weil ich mich nie selbst ausprobieren und dadurch lernen konnte.

Was ich für mich mitgenommen habe: Gelassenheit macht das Leben leichter. Sich erst mit Problemen zu beschäftigen, wenn sie wirklich da sind, ganz besonders. Denn sonst durchlebt man sie zwei Mal. Oder einmal zu viel, wenn sie am Ende gar nicht eintreffen. Da ich aber natürlich keinen Gelassenheitsschalter umlegen kann, brauche ich andere Taktiken, die mir helfen, mein Grübeln in den Griff zu bekommen.

Eine wichtige Erkenntnis hierbei war für mich, dass insbesondere das Ohnmachtsgefühl solche Situationen so schwierig macht. Das Gefühl zu haben, ausgeliefert zu sein. In diese Falle bin ich schon viele Male getappt und muss mir jedes Mal wieder sagen, dass man zwar nicht alles, aber Vieles beeinflussen kann. Zumindest, wie man auf die Dinge reagiert, die einen aus der Bahn zu werfen drohen.

Wie heißt es so schön? „Du musst dir schon selbst Konfetti in dein Leben pusten.“ Sich am Sonntag schöne Dinge vorzunehmen statt in Schockstarre auf dem Sofa zu verharren und auf den Montag zu warten, hilft wahre Wunder.

Heute, fast ein Jahr in diesem Job, weiß ich rückblickend, dass wir jede Abwesenheit gut gemeistert haben. Und ich finde es erstaunlich, dass ich doch wieder einen so langen Weg hinter mich bringen musste, um zu einem Schluss zu kommen, den ich im alten Job schon längst erkannt hatte: Dass es immer eine Lösung gibt.

Morgen startet wieder eine herausfordernde Woche für mich. Ich habe die Themen, die ich beeinflussen kann, aktiv in die Hand genommen. Alles andere muss ich auf mich zukommen lassen. Außerdem gibt es ein paar Highlights nach Feierabend, auf die ich mich freue. Einen guten Ausgleich zur Arbeit zu schaffen hilft ebenfalls sehr.

Eine wichtige Regel habe ich jedoch dieses Mal nicht befolgt: Mir am Sonntag Nachmittag etwas Schönes vorzunehmen, damit ich keine Zeit habe, vor Angst gelähmt auf dem Sofa zu sitzen und darauf zu warten, dass der Montag über mich hereinbricht.

Ich arbeite daran.


Kennst du den Sunday Blues auch? Und wenn ja: Was sind deine persönlichen Angstmacher, die dir das Wochenende gefühlt auf 1,5 Tage oder weniger reduzieren? Und was hilft dir dagegen?

Ich freue mich auf deine Kommentare, auch gerne auf Facebook oder Instagram.

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