Schwangerschaft: (k)eine Frage des Alters?

Laut einer Studie des Statistischen Bundesamts (Destatis) waren 48% der Mütter im Jahr 2018 zwischen 30 und 39 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Frauen bei der ersten Geburt betrug 30 Jahre. Das sind drei Jahre mehr als noch im Jahr 1990. Das Bundesamt hat zudem eine steigende Geburtenhäufigkeit der Frauen ab 40 Jahren festgestellt. Im Vergleich zu 1990 hat sich die Zahl der Ü40 Mütter beinahe vervierfacht.

Was ist der Grund, dass Frauen immer später Mutter werden? Haben wir uns so emanzipiert, dass wir die Rolle der kinderhütenden Frau nicht mehr erfüllen möchten und uns in unseren „besten Jahren“ lieber auf unsere Karriere und uns selbst konzentrieren wollen? Oder finden wir wohlmöglich den richtigen Partner für die Familienplanung erst viel später, als es bei unseren Eltern der Fall war? Wann hat eine Frau das richtige Alter für ein Kind? Gibt es das überhaupt?

In Rente aber schwanger

Vor einigen Jahren ging ein Aufschrei durch die Presse, als eine 65-Jährige Lehrerin kurz vor der Rente mit Vierlingen schwanger wurde. Nicht auf natürlichem Weg, das hatte Mutter Natur scheinbar zu verhindern versucht. Eine Samen- und Eizellenspende im Ausland (weil das in Deutschland verboten ist) machte dieses, nennen wir es „Wunder“ erst möglich. Die Dame hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 13 Kinder zur Welt gebracht, das Letzte durch eine natürliche Schwangerschaft im Alter von 55 Jahren. Jeder kann sich seine eigene Meinung hierzu bilden. Meine ist ganz klar: diese Frau hat absolut egoistisch und unverantwortlich gehandelt.

Schwangerschaft
wenn die eigenen Eltern deine Großeltern sein könnten

Die Risiken einer Schwangerschaft steigen mit zunehmendem Alter. Die Wahrscheinlichkeit von Fehlbildungen des Embryos und Fehlgeburten steigt. Doch nicht nur die medizinischen Fakten, sondern auch die psychologischen spielen eine große Rolle. Kann eine so „alte Mutter“ wirklich ausreichend für ihre Kinder sorgen? Ist sie mental „jung genug“, um sich auf die Kinder einzulassen? Wenn ihre Kinder 14 und mitten in der Pubertät sind, ist sie 79 Jahre alt. Wie soll sie da noch einen Bezug zu den Ängsten und Wünschen ihrer Kinder haben? Mal davon abgesehen, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die Kinder in jungen Jahren ihre Mutter aufgrund ihres bereits hohen Alters verlieren werden.  

Natürlich ist diese Dame ein Ausnahmefall, aber die Fragestellung bleibt die gleichen. Physiologisch gesehen liegt das ideale Alter, um ein Kind zu bekommen, zwischen 20 und 30 Jahren. Die Fruchtbarkeit ist in dieser Zeit am höchsten und das Risiko für genetische Defekte am geringsten. Ich selbst habe mein erstes Kind mit 34 Jahren bekommen. War also schon ein ganzes Stück über dem „perfekten“ Alter. Meine Schwangerschaft verlief absolut problemlos und meine Tochter ist kerngesund. Beim zweiten Kind war ich 38 Jahre alt. Mein Partner und ich hätten gerne schneller ein zweites Kind bekommen, aber das funktionierte nicht. Diesmal wurde ich als Risikoschwangere eingestuft, weil ich die Grenze zur 35 bereits überschritten hatte und die Risiken von Fehlgeburten und Gendefekten ab diesem Alter stetig steigen. Dabei ist 38, wie bei mir, heutzutage ja kein ungewöhnliches Alter für eine Schwangerschaft, oder?

Mutterpass

Ätere Frauen sind die besseren Mütter!?

Spätgebärende Frauen haben den großen Vorteil, dass sie mit beiden Beinen im Leben stehen. Sie haben ihre Sturm-und-Drang Phase hinter sich, haben eine abgeschlossene Ausbildung, einen Job. Viele Vorteile gegenüber einer Anfang Zwanzigjährigen, die oft selbst noch nicht weiß wohin mit sich und ihrem Leben. Sind das dumme Vorurteile? Ältere Mütter werden sagen: NEIN!

Psychologen sehen eine späte Mutterschaft als Vorteil. Ältere Mütter gelten als gelassener und ausgeglichener. Die jüngeren sind schneller gestresst und überfordert. So sagt man zumindest.

Ich kann das nur bedingt bestätigen. Wenn die Ü40 Mutter mit ihren drei Kindern im Supermarkt steht und diese die Regale ausräumen, dann garantiere ich euch, bleibt sie auch nicht cool und gelassen. Genauso, wie die 20-Jährige, deren Kind im Fieberwahn die ganze Nacht schreit. Irgendwo zwischen vollen Windeln, schlaflosen Nächten und Kindergebrüll kommt jede Mutter, egal welchen Alters, irgendwann an ihre Grenzen. Ich möchte aber behaupten, dass eine Woche Schlafmangel einer älteren Frau mehr zusetzen als einer jungen. Also doch wieder ein Punkt für die Jungmamas?

Kinderkriegen mit Pause-Taste

Wenn also meine 39-jährige Singlefreundin noch keine Kinder hat, soll ich ihr dann sagen, du bist zu alt, lass es bleiben? Das ist eh alles viel zu anstrengend, zu risikoreich und überfordert dich? Auch ihr ist klar, dass die biologische Uhr tickt, aber was will man machen, wenn man noch nicht den richtigen Vater für seine Kinder gefunden hast? Manche Dinge lassen sich nicht planen. Und wenn die körperlichen Gegebenheiten es einem ermöglichen schwanger zu werden, die äußeren Rahmenbedingen aber nicht, dann eben mit 40+. Oder ist dieser Gedanke dem Kind gegenüber egoistisch? Denken wir an die „alte Mutter“ mit den Vierlingen.

Wenn eine Frau ihre Karriere in den Vordergrund stellt und erst später Kinder bekommen möchte, kann ich das verstehen. In Amerika ist das „Social Freezing“ ein großer Trend. Frauen lassen sich im gebärfähigen Alter Eizellen entnehmen, um die Chance auf eine spätere Schwangerschaft zu erhöhen. Große Konzerne wie Apple bezahlen ihren Mitarbeiterinnen diese Prozedur sogar. Auch bei Krebspatientinnen ist diese Methode schon längere Zeit eine gängige Praxis.

befruchtete Eizelle

Ob diese Methode dann jedoch, im wahrsten Sinne, fruchtet, hängt wiederum von der Frau selbst ab. Werden einer 35-Jährigen befruchtete Eizellen eingesetzt ist die Wahrscheinlich einer Schwangerschaft größer als bei einer 45-Jährigen. Nichtsdestotrotz werden wir bei der Krebspatientin mehr Verständnis aufbringen, wenn sie nach überstandener Krankheit mit 45 ein Kind bekommen möchte als bei der Karrierefrau.

Meiner Meinung nach ist ab Mitte 40 die Grenze zum Kinderkriegen erreicht. Egal ob auf natürlichem oder künstlichem Weg. Eltern sollten nicht 45 oder gar 50 Jahre älter als ihre Kinder sein. Ich weiß, es gibt auch junggebliebene 50-Jährige, denen man ihr Alter nicht anmerkt und ansieht. Aber die physische und psychische Belastung ist irgendwann zu groß und selbst, wenn eine Schwangerschaft im fortgeschrittenen Alter noch problemlos verläuft, so wird ein zu großer Altersunterschied doch irgendwann ein Problem zwischen Mutter und Kind werden, spätestens im Teenie-Alter. 

Es gäbe noch unheimlich viel zu diesem Thema zu schreiben, aber das würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen…

Mich interessiert eure Meinung zu diesem Thema. Wie alt wart ihr beim ersten Kind? Oder seid ihr noch kinderlos und der Meinung, ihr möchtet euch noch Zeit damit lassen, weil andere Dinge Priorität haben? Wo liegt für euch die Altersgrenze für das Kinderkriegen? Und was haltet ihr von Müttern, die Ü45 unbedingt schwanger werden wollen?

Passend zum Thema gibt es eine Reportage von Spiegel TV: „Die Ü50 Mütter“. Hier wird unter anderem Familie Döring vorgestellt. Christiane Döring brachte ihr erstes Kind 52jährig mit Hilfe einer Eizellen- und Samenspende zur Welt. Ein, wie ich finde, erschreckendes Beispiel, was man seinen Kindern als „alte Mutter“ antun kann. Ich verlinke mal hier. Schaut doch mal rein.

Ich bin sehr gespannt, wie ihr zu diesem Thema steht!


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Quellen: Statistisches Bundesamt Destatis (www.destatis.de), Spiegel TV (www.spiegel.de

6 thoughts

  1. Ich habe mein erstes Kind mit 35 Jahren bekommen, weil vorher der richtige Partner fehlte. Ich würde auch gern ein zweites Kind haben, jedoch nur dann wenn das Kind vor meinem 40. Geburtstag auf die Welt kommt. Ich mache mir viele Gedanken, ob ich zwei Kinder und Teilzeit Job schaffen kann, und ob dann noch Zeit für mich bleibt. Es muss ja auch mir geht gehen damit ich für mein Kind sorgen kann.

    1. Da hast du absolut recht. Entscheidend ist, wie es dir dabei geht. Ein zweites Kind ist schon nochmal eine Umstellung. Ich habe auch nicht geglaubt, dass sich mit dem 2. nochmals so viel verändern würde, aber es war und ist wieder eine ganz neue Erfahrung, eine schöne, aber manchmal auch sehr anstrengende. Darum brauchst du ein gutes Unfeld, dass dich unterstützt und dir deine persönlichen „Auszeiten“ ermöglicht.

    2. Ich bin jung, weiß aber jetzt schon das ich jung oder aber in der fruchtbarsten Zeit ein Kind bekommen möchte. Ich sehe es als Problem an wenn ein zu großer altersunterschied zwischen Mutter und Kind ist, aber im großen und ganzen ist es einem selbst überlassen. Meiner Meinung nach ist es das beste möglichst früh Kinder zu bekommen, eine Lebensgrundlage sollte da sein, aber warten eher nicht.

  2. Guten Morgen, wir hatten uns letztes Jahr die Entscheidungsfrist ob Kind oder nicht bis zur 40 gestellt. Die ist nun überschritten ( und wir hatten das zunächst ignoriert) und wir hatten so Zufall es will, gerade diese Woche wieder ein Gespräch darüber: Über die tickende Uhr, ob zu alt, ob momentan überhaupt geht (beruflich) ob es dann überhaupt so schnell klappt dann (biologisch) und und und.
    Auch darüber geredet ob biologisch sein muss, oder wir uns um ein Pflegekind kümmern, oder auch später eins adopteieren können wollten.
    Die Uhr läuft weiter und wir gehen nun erstmal in die (Frist)-Verlängerung.
    Aber ob der „Schuss“ erfolgt und ein „Tor“ fällt , steht noch in den Sternen. ..
    Aber eigentlich wollte ich nie eine so alte Mutter werden. Im „richtigen“ Alter hatte ich nur den falschen Partner. Jetzt habe ich den richtigen Partner aber das „falschen Alter. Das Leben läuft eben nicht nach Planung und es gibt wenig Sicherheit. Zusammen mit meinem Mann habe ich aber schon sehr schwere Zeiten gemeistert, so gibt es immer wieder eine gute Lösung auch wenn sie nicht sofort „auf der Hand liegt.“ Liebe Grüße, Britta

    1. Liebe Britta,
      ja, wie heißt es so schön: Leben ist das, was passiert, während man andere Pläne macht. Ich finde es schön, dass ihr euch auch andere Optionen offen haltet (Pflegekind, Adoption) und den Rest auf euch zukommen lasst. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen, dass sich alles so entwickelt, wie ihr es euch wünscht.
      Liebe Grüße
      Jasmin

  3. Ich habe meine Zwillinge mit 35 bekommen und liege damit glaube ich genau in der Mitte. Es kommt ja auch etwas darauf an, wie sich der Ausbildungsweg gestaltet hat. Mit einer Berufsausbildung und dem ersten Einkommen steht man früher selbstständig im Leben als bei einem Studium.

    Mit Blick auf die Kinder finde ich Schwangerschaften über 40 nicht verantwortungsvoll.
    Aus Sicht der Mutter/Eltern finde ich es ganz wichtig, dass sie nicht ständig das Gefühl haben, etwas zu verpassen (Reisen, Feiern, Karriere, Flexibilität), denn nur zufriedene Eltern haben glückliche Kinder. Daher ist Anfang/Mitte 20 auch nicht ganz optimal

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