Onlinedating-Horror: Tinder-Profile direkt aus der Hölle.

Ja, ich hasse es immer noch. Das Onlinedating. Und wann immer möglich, vermeide ich es, so gut es geht. Aber manchmal gibt es dann doch Momente, in denen mich wieder der von mir vielzitierte Gedanke einholt, wo verdammte Axt man denn noch jemanden kennenlernen soll.

Jetzt grade zum Beispiel. In dieser Corona-Kacke. Außer dem Typen, der mit Einmalhandschuhen, vorgeschobener Unterlippe und Tränen in den Augen vor dem leeren Klopapierregal steht und dem Nachwuchs-Nazi vom Balkon gegenüber, der stundenlang, im Unterhemd über der Brüstung hängend, lauert, um dann der unten vorbeigehenden Flüchtlingsfamilie sympathisch zurufen zu können: „Maximal ZWEI PERSONEN! Z-W-E-I!“ (das ist tatsächlich grade passiert, es ist einfach nicht zu fassen), ist doch grade in freier Wildbahn wirklich nichts zu holen.

Und hey, selbst wenn ich ein Match habe, muss ich mich ja erstmal gar nicht mit den Tinder-Heinis treffen. Social distancing und so. Perfekt. Also schmeiße ich die in meinem Handy schlummernde App halt mal wieder an. Auch wenn sie mich – sobald ich sie aus dem Dornröschenschlaf geholt habe – wieder regelmäßig mit Pushnachrichten nerven wird. „Du hast jemandem gefallen. Herzchenemoji. Sieh nach, wer es ist.“ Ach, halt doch den Rand. Als ob du mir das ohne Bezahl-Premium-Account freiwillig sagen wirst.

Aber schon nach den ersten Jürgens, Moglis und Zwens wird mir wieder schlagartig klar, warum mich das alles so nervt. Die scheinbare Unfähigkeit von Männern, ein interessantes Profil zu erstellen, das keinen Würgereiz bei mir auslöst. Zugegeben, ich kenne die Frauenprofile nicht, da die für mich nicht sichtbar sind. Wahrscheinlich sind die ähnlich. Trotzdem fallen sie mir sofort wieder ein: Die schlimmsten Bilder, Namen, Sprüche und Berufsbezeichnungen, die einem erschreckenderweise ständig wieder begegnen. Beispiele gefällig? Aber sehr gerne.

Onlinedating nervt. Vor allem deshalb, weil die dämlichsten Profilinhalte sich ständig wiederholen.

Schlechte, nichtssagende oder nutzlose Bilder

Ok, wer auf Muskelprotze mit Goldkettchen steht, die sich vor einem geleasten, geborgten, geklauten, jedenfalls viel zu teuren Sportwagen fotografieren lassen, hat bei Tinder freie Auswahl. Für mich sind solche Bilder ein K.o.-Kriterium. Ebenfalls beliebt: Bilder vom nackten Oberkörper ohne Kopf, weit weg, von hinten oder von irgendwelchen Comicfiguren. Was hast du zu verbergen, mein Freund?

Am besten aber: Gruppenbilder. Da wette ich jedes Mal nen Fuffi, dass der Profilbesitzer einfach immer der Unattraktivste im Mallorca-Boysclub auf dem Foto ist. Ich swipe zum nächsten Bild und…oh, schon wieder gewonnen.

Da muss ich sagen: So dämlich es aussieht, einem Plastikdino in Disneyland den Kopf in den geöffneten Rachen zu stecken – solche Bilder bringen mich wenigstens kurz zum Lachen. Selbstironie hat noch keinem geschadet.

„Das auf dem Bild ist mein Neffe.“

Auch irgendwie aus der Kategorie „Bild mit Hintergedanken“ – weil: Frauen springen ja auf kinderliebe Typen an. Da man seine Chancen bei Frauen aber erhöht, wenn man selbst noch kein Kind hat (so die Tinder-Logik), muss beim Profi-Tinderaner unbedingt der Hinweis dazu: „Das ist aber NICHT MEIN Kind.“ Ähnliches gilt für Hunde und Katzen, wobei hier im Gegenteil sehr betont wird, wenn es das eigene Haustier ist. Ich habe den Eindruck, Hunde punkten besser als Katzen. Den Besitzern der letzteren sagt man ja oft einen gewissen Hang zum Egoismus nach. Und den will man erstmal verbergen. So bis zum 3. Date.

„Schule: School of Rock oder Schule des Lebens.“ „Beruf: Self-employed bei Ich-AG.“

Super, du hast keinen Schulabschluss. Und möchtest mir jetzt grade verkaufen, dass die Schule des Lebens dich sowieso schlauer als alle anderen gemacht hat? Jep. Street-Credibility ist sowas von 90er. Next.

Ja, und scheinbar wimmelt es bei Tinder nur so von Selbstständigen. Die natürlich alle so dermaßen erfolgreich sind, dass sie auf keinen Fall verraten können, in welcher Branche sie tätig sind. Aus DSGVO-Gründen selbstverständlich. Mir fallen dazu eigentlich immer nur zwei Dinge ein: Entweder du bist ein Lügner. Oder Zuhälter.

„Wir können ja sagen, dass wir uns im Supermarkt kennengelernt haben.“

Ich war mal bei einer Hochzeit, da wurde tatsächlich in der Kirche während der Trauung vom Pfarrer angesprochen, dass sich das Brautpaar im Internet kennengelernt hat. Ist heute keine große Sache mehr, aber irgendwie fand ich das trotzdem komisch. Aber auch diese Vorankündigung im Tinderprofil, dass wir auf jeden Fall sämtliche Leute mit einer hanebüchenen Geschichte belügen müssen, klingt doch irgendwie nach „Ja, ich bin verzweifelt. Aber bitte erzähl es keinem. BITTEEE!“

„Ich bin 1,80 m. Scheint hier irgendwie wichtig zu sein.“

Diese Angabe findet man mit variablen Größen tatsächlich in jedem zweiten Profil. Und irgendwie kann ich es ja verstehen. Viele Frauen möchten keinen Mann, der kleiner ist als sie selbst. Da ich aber nicht besonders groß bin, geht die Chance, einen noch kleineren Mann kennenzulernen, etwa gegen null. Außer in Barcelona. Da habe ich an einem Tag mal sage und schreibe drei Männer gesehen, die einfach kleiner waren als ich. Also Jungs, lasst das weg. Außer Ihr seid kleine Spanier.

„Was gibt es über mich zu sagen? Ich stehe mit beiden Beinen im Leben, bin ein Kuschelbär und so ein kleines bisschen CRÄZY. Den Rest musst du schon selbst rausfinden.“

Übersetzung: Horst-Helmut, 41, spielt gern Playstation, isst gerne Chips – und wohnt bei Mutti.

„Wer zuletzt matcht, schreibt zuerst.“

Ähm, puh. Nö? Hätte ich vielleicht gemacht, aber mit derartigen Ansagen noch bevor wir ein Wort gewechselt haben, geh ich sowieso gleich mal in Angriffsstellung. Überleg’s dir also besser nochmal.

„Ich schreib nicht lange hin und her. Kein Bock auf Brieffreundschaften. Lass uns treffen.“

Und ich hab keinen Bock auf Axtmörder, du Honk.

„Bin langweilig, schlecht im Bett, habe keinen Humor, bin unsportlich und weiß überhaupt nicht, was Sarkasmus ist. Zwinkeremoji.“

Wie heißt es doch so schön? In jedem Späßchen steckt immer ein wenig Wahrheit.

„Good vibes only. Traveling (hier bitte 8 bis 15 unterschiedliche Landesflaggen nach Wahl einsetzen).“

Dazu Bilder nur in Surfershorts, Sonnenbrille und Rucksack auf dem nackten Oberkörper, vornehmlich aus Bali oder Thailand. Ach geh doch weg mit deiner Hippiescheiße. Du kiffst doch sicher auch noch.

„One hell of a guy.“ – The Washington Post / “The last real gentleman.” The New York Times

Wow. Die Krone der Schöpfung, hier bei Tinder!!! Und ich habe die einmalige Chance, ihn zu matchen. Da muss ich mir erstmal eine Strategie…. hoppla! Vor lauter Aufregung nach links gewischt. So ein Ärger aber auch.

Liebes Coronavirus. Ich gelobe feierlich, mich nicht mehr auf meinem Sofa zu verkriechen und zu jammern, dass kein Mann an meiner Tür klingelt. Ich erfinde keine Ausreden mehr für Verabredungen, auf die ich keine Lust habe und überwinde mich, auch mal zu einer Party zu gehen, auf der ich nur den Gastgeber kenne. Und ganz vielleicht mach ich auch mal Sport. Wenn Du nur die Güte hättest, endlich zu verschwinden. Und mir dieses Onlinedating-Elend zu ersparen.

VERBINDLICHSTEN DANK!


Welcher Onlinedating-Typ Mann/Frau nervt Euch am meisten? Und glaubt Ihr, dass das im realen Leben auch so ist? Oder verbauen wir uns durch ungeschicktes Online-Selbstmarketing womöglich die Chance des ersten Eindrucks?

Wir sind gespannt auf Eure Meinung, hier oder auf Facebook, Instagram und Twitter.

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