Music was my first love – Welche Musikphänomene ich nie verstehen werde.

Schwarz-weiß Bild mit einem Kopfhörer, Marilyn Monroe Bild und einem Zettel, auf dem Musik = Leben steht

Musik ist ja zum Glück Geschmackssache. Ich bin in dieser Hinsicht inzwischen sehr breit aufgestellt. Obwohl ich – wie schon öfter erwähnt – am meisten in den 90ern, genauer gesagt im RnB/Hip Hop und Pop, und auch in den 60er/70er Motown Bands zuhause bin. Aber auch New Country, Latin Pop/Bachata und beim Après Ski auch mal Schlager habe ich über die Jahre sehr lieb gewonnen. Aber auch auf die Gefahr hin, mich als das zu outen, was ich nie werden wollte – eine alte Frau, die aktuelle und auch inzwischen schon etwas ältere Musik nicht versteht – gibt es so ein paar Musikphänomene, die sich mir nicht so richtig erschließen.

Manch einer wird sich jetzt zurecht fragen: “Ok wow. Wann genau hast du vom Vocal Harmony-RnB Highway die falsche Ausfahrt Richtung Boybands genommen und bist bis heute in dieser Sackgasse steckengeblieben? Und was genau befähigt dich mit so einem Mainstream-Geschmack, Musik zu beurteilen?“ Mein arrogantes 15jähriges Ich hätte wohl noch angefügt „Ich kenn die Sachen aus den Charts nicht, ich hör ja kein Radio. Hip Hop ist eine Lebenseinstellung, weißt du.“ Dafür würde ich mir im Nachhinein gerne eine runterhauen. Aber nun gut.

Die Antwort auf Frage 1 kann ich schnell beantworten. Ich hatte als Teenager die Angewohnheit, jeden Tag nach der Schule auf AFN (American Forces Network, das ist der Radiosender für die Streitkräfte der US Army im Raum Stuttgart) von 13 bis 14 Uhr die tägliche RnB Sendung auf Kassette (ja genau, KASSETTE) aufzunehmen. Internet gab’s nicht und Europa war immer ein bisschen hinterher mit den aktuellen Veröffentlichungen. Das war sozusagen mein Tor zur großen, weiten Welt damals. Neben „The Soul of MTV“ und „Yo MTV Raps“.

Anfang der 90er gab es für mich nur RnB. Und dann das.

Irgendwann im Sommer 1995 gesellte sich ein Song dazu, den ich irgendwie ganz cool fand. Kurz darauf sollte ich aber in der Bravo herausfinden, dass es sich dabei um eine neue Boyband namens Backstreet Boys handelte. Die die Amerikaner aber richtig doof fanden. Und ich dann natürlich auch. LÖSCHEEEEN.

Am 27. Juni 1996 – dem Tag, an dem ich falsch abbiegen sollte – fand ein Konzert ihrer ersten großen Tour in meiner Heimatstadt statt. Zwischen der Ankündigung der Tour und dem Konzerttag waren diese Bubis inzwischen zum „Hottest Shit“ unter den Zahnspangenträgerinnen aufgestiegen. Und so war schon im Vorfeld bekannt, dass viel zu viele Karten verkauft worden waren und das Ganze zu einem unkontrollierbaren Spektakel zu werden versprach. Endlich mal was los in der Provinz. Also fuhr ich mit meiner Vespa hin, um mir das Ganze mal aus der Nähe anzusehen. Mit dem nötigen spöttischen Abstand selbstverständlich.

Und dann kam alles irgendwie doch anders. Während ich noch da draußen auf dem Bordstein vor der Eishalle saß und mich über weinende 12jährige amüsierte, hörte ich von drinnen plötzlich einen meiner Lieblingssongs. „If I ever fall in love“ von Shai. Und zwar in perfektem, fünfstimmigen Harmoniegesang, der sich kaum vom Original unterscheiden ließ. Das war der Punkt, an dem ich die Ausfahrt nahm. Und niemals wiederkehrte.

Sorry, aber das musste sein. So ungefähr hat das damals geklungen. Wenn auch hier – 17 Jahre später – etwas holprig, weil Nick dauernd dazwischen quatscht und AJ sich offenbar die Lyrics komplett aus dem Hirn gekokst hat. Aber was soll’s, Howie und Kevin ziehen durch. Und am Ende zählt ja auch nur die Emotion. Wie immer.

Was mich auch schon zur Beantwortung von Frage 2 bringt. Was befähigt mich zu urteilen? Wo doch mein Musikgeschmack irgendwie keinen roten Faden hat. Doch. Hat er. Und zwar genau den eben beschriebenen. Irgendwas muss mich packen. Berühren. Emotional aus den Latschen hauen. Sei es eine Melodie, eine Textpassage oder eine Stimme.

Auch wir intern bei Single meets Mom haben, was Musik betrifft, zwar sehr große Schnittmengen, vor allem im angesprochenen 90er RnB/Hip Hop und Motown Bereich. Aber natürlich hat auch jede von uns ihre ganz eigenen speziellen „Herzensmusikanten“, die die andere nicht so richtig nachvollziehen kann. Und das ist auch gut so.

Daher folgen jetzt meine ganz persönlichen Musikphänomene, mit denen ich einfach so gar nichts anfangen kann. Eigentlich sollte das klar sein, aber offenbar muss man es doch immer nochmal deutlich dazu sagen: ACHTUNG, das ist meine ganz persönliche Meinung. Nicht wissenschaftlich fundiert und nicht dazu da, um jemanden anzugreifen oder zu beleidigen.

Hier also meine Auswahl, die sicher noch lange nicht vollständig ist.

David Guetta und Co.

Dieses DJ Phänomen. Also ja, da gibt’s inzwischen auch ganz nette Songs, die schnell ins Ohr gehen. Das liegt aber zu 99% an der Sängerin oder dem Sänger, die sich die DJs dann doch zur besseren Radiotauglichkeit mit ins Boot holen. Aber was ich nicht verstehe: Unmengen von Geld für ein sogenanntes „Konzertticket“ für einen DJ auszugeben, damit der dann, ob der Abwesenheit seiner Gastsänger, seine Musik aus der Konserve spielt. Häh? Ne, also dazu liebe ich Livemusik zu sehr.

Greenday

Die Bon Jovis des Punk. Wobei Bon Jovi für mich inzwischen einen gewissen Kultstatus haben, zumindest die Songs aus den 80ern. Und Jon 1992, als er sich angeblich versehentlich die Haare abgefackelt hatte und plötzlich mit einer Kurzhaarfrisur erschien, echt hot war. Aber Greenday? Ernsthaft? Ich bin kein Experte, aber was hat das denn mit Punk zu tun? Fragte ich mich schon in den 90ern, warum die Jungs um mich rum das gut fanden. Ok, einer von denen hörte auch Bon Jovi…

Billie Eilish

Sicher ist das ein tolles Mädchen, das seine Generation auf eine Weise inspiriert, die mir verschlossen bleibt. Aber die Musik? Ich glaube, ich stehe einfach zu sehr auf große, alles erschütternde Stimmen, als dass mich ihre Musik irgendwie emotional berühren könnte. Oder ich bin einfach zu alt für den Scheiß. Mit 29 kommt man halt auch langsam in die Jahre. Ähem.

Musik muss mich berühren. Egal aus welchem Grund.

Coldplay

Ok, spätestens jetzt hab ich den Hate auf mich gezogen, ich weiß. Und ja, einige der Songs mag ich inzwischen auch gerne. „Fix you“ zum Beispiel. Erinnert mich an die Hochzeit von Carl Philip von Schweden. Oder „La Vida“. Weil die New Kids und die Backstreet Boys das auf ihrer gemeinsamen Tour als Intro verwurstet haben. Ich sag ja, emotionale Bindung. Ansonsten sind Coldplay-Songs für mich eher wie Fahrstuhlmusik. Kann man so nebenbei hören und stört jetzt nicht weiter. Aber aus diesen irgendwie immer gleich klingenden Songs eines der größten Musikphänomene der letzten Jahrzehnte hochgejubelt zu haben… check ich nicht.

Äh. Fehlt das nicht was?

Ja, ich weiß, welches Fragezeichen jetzt im Raum steht. Wo sind die deutschen Singer/Songwriter? Obwohl es ja inzwischen recht schick geworden ist, die richtig kacke zu finden. Diese nervigen Heulbojen in der Tradition von Xavier Naidoo, die alle das Gleiche singen. Einfach nicht aufgezählt. Warum? Weil ich ehrlich finde, dass da ein paar richtig Gute dabei sind.

Ich möchte mal einen Menschen sehen, der keine Gänsehaut bekommt, wenn Johannes Oerding mitten in einem Saal voller Menschen am Flügel sitzt und singt und es ansonsten so mucksmäuschen still ist, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte.

Das sind die Momente, die ich meine. Die für mich alles an einem Ort und in ein paar Minuten zusammenpacken, was Musik für mich bedeutet: Emotionen. Die man nicht erklären kann. Und das ist auch nicht nötig.

Music
23 Jahre später. Ein bisschen älter sind wir ja geworden. Aber die Emotion ist die gleiche. Und ein bisschen Selbstironie ist natürlich auch immer dabei. Fangirl moments for life :D.

Welche Musikphänomene versteht ihr nicht? Und wonach selektiert ihr, was in euer Plattenregal, pardon, in euren Stream wandert? Ich freue mich auf eure Kommentare, hier, auf Facebook, Instagram oder Twitter.

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2 thoughts

  1. Ich muss Musik mitsingen oder zumindest mitsummen können – dann liebe ich sie meist!
    Techno, Hardrock etc. sind etwas, womit ich null anfangen kann. Kann man halt nicht wirklich mitsingen. 😄 Die ganzen „neuen“ Künstlerinnen und Künstler, die aktuell im Radio gespielt werden, kann ich alle nicht so recht zuordnen. 😅 Der letzte Künstler, der mich langfristig berührt hat, ist Ed Sheeran. Alle anderen sind eher Eintagsfliegen.

    1. Oh ja, da sagst du was. Ich hab früher auch immer gesagt, dass Musik für mich eine erkennbare Melodie haben muss. Und Ed ist schon extrem berührend, das stimmt.

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