Erinnerungen: Gedanken um Mitternacht

Vielleicht erinnern wir uns eines Tages, an diese Zeit, als wir in unseren Wohnungen saßen und bereits jede Serie auf Netflix auswendig kannten, weil wir vom Sofa aus die Welt verändern wollten. Vielleicht werden wir uns daran erinnern, wie wir wochenlang die „stay-at-home“ Parole in die virtuelle Welt der sozialen Medien schrien und uns lustige Toilettenpapier-Memes via WhatsApp schickten. Ein Trend, an den ich mich hoffentlich bald nicht mehr erinnern muss!

Erinnerungen

Vielleicht erinnern wir uns, dass wir unsere Kinder plötzlich 24 Stunden am Tag betreuen und beschäftigen mussten. Und wie sie dabei merkten, dass wir den Mathe-Schulstoff der 8. Klasse genauso wenig verstehen wie sie selbst. Vielleicht erinnern wir uns, dass wir plötzlich Zeit hatten, um lustige Brettspiele zu spielen, die seit Jahren in der hinteren Ecke des Schrankes verstaubten. Vielleicht daran, dass wir uns endlich die Zeit nahmen, lange aufgeschobene Themen mit dem Partner zu besprechen. Oder daran, dass wir merkten, das unsere Beziehung der Belastung nicht gewachsen war.

Vielleicht fällt uns auf, dass unser Leben, im Vergleich zu anderen Ländern, ganz schön komfortabel ist. Und wir erinnern uns daran, dass wir trotz einer schweren Krise jederzeit den Lieferservice bestellen konnten. Vielleicht wissen wir noch, wie sehr uns andere Menschen gefehlt haben. Auch die, die uns manchmal ganz schön auf die Nerven gehen. Vielleicht erinnern wir uns daran, wie wir jeden Tag die Highscore der weltweiten Todesfälle verfolgten und insgeheim froh waren, in diesem und keinem anderen Land zu leben. Vielleicht erinnern wir uns, wie Ärzten, Krankenschwestern und Pflegepersonal gehuldigt und finanzielle Anerkennung versprochen wurde. Wie von Balkonen geklatscht und musiziert wurde.

Erinnerungen

Die Natur taucht vielleicht auch in unserer Erinnerung auf. Wie sie sich plötzlich von Kreuzfahrtschiffen und Autostaus erholen konnte. Und uns das Gefühl beschlich, einen Schuss vor den Bug bekommen zu haben. Wir erinnern uns vielleicht auch, dass fast die ganze Zeit die Sonne schien. Als wollte jemand sagen, wir wollen es euch ja nicht ganz so schwer machen.

Wir erinnern uns vielleicht, wie die Menschen plötzlich Abstand hielten. Aus Respekt oder Angst, vielleicht aus beidem. Wir erinnern uns vielleicht, wie gerne wir wieder ins Büro gefahren wären, weil uns das Homeoffice gewaltig auf die Nerven ging. Oder daran, dass uns alles zu eng wurde, obwohl wir uns jederzeit frei bewegen konnten. Vielleicht daran, dass wir Angst um unsere Eltern und Großeltern hatten, weil es eben nicht nur ein Schnupfen war. Vielleicht erinnern wir uns, wie wir plötzlich das Händewaschen für uns entdeckten und ganze Turotials dafür erfanden. Und Masken trugen, obwohl wir uns dabei ziemlich komisch vorkamen. Oder daran, dass wir Angst um unsere Existenz hatten.

Bestimmt erinnern wir uns, wie wir uns heimlich mit Freunden trafen, obwohl das eigentlich verboten war. Und Dinge online bestellten, die wir uns im „normalen“ Leben niemals gekauft hätten. Vielleicht erinnern wir uns, dass plötzlich alle Menschen mit der gleichen Sache zu kämpfen hatten und niemand wusste, wann es vorüber sein würde. Vielleicht erinnern wir uns, wie wir uns vorstellten, wie das Leben „danach“ weitergehen würde. Und ob sich für uns etwas ändert.

Vielleicht werden unsere Kinder ihren Kindern davon erzählen, wie das damals war, als wir in unseren Wohnungen saßen und bereits jede Serie auf Netflix kannten. Und vom Sofa aus die Welt veränderten.

Oder wir machen den Fehler und haben das alles in ein paar Jahren vergessen. Gelernt hätten wir dann allerdings nichts.


Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben, aber manchmal kommen einem andere Gedanken dazwischen…

An was werdet ihr euch erinnern?


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