Die Schwachstelle von Superwoman 2.0: Der Kryptonit-Mann.

Kryptonit ist die einzige Substanz, die Superman gefährlich werden kann. Und so hat – behaupte ich jetzt einfach mal – fast jede Singlefrau in ihrem Leben schon einmal einen Kryptonit-Mann gehabt. Diesen Typen, den man eigentlich schon fast vergessen hatte. Jahre ist das her. Vielleicht war er die erste große Liebe, ein unerreichbarer Schwarm oder der beste Freund, der nie was von einem wissen wollte. Und dann taucht er plötzlich auf. In einem Gespräch mit Freunden. „Ach, da arbeitet doch auch der Thomas.“ Einer persönlichen Nachricht. „Hey, lange nicht gehört, wie geht’s dir denn so?“. Oder im Supermarkt.

Grundsätzlich muss es nichts Schlechtes sein, jemanden in seinem Leben gehabt zu haben, den man unbewusst nie so wirklich vergessen konnte. Es gibt auch positive Kryptonit-Menschen, mit denen man vielleicht aus ganz bestimmten Gründen zu diesem Zeitpunkt nicht zusammen sein konnte oder wollte. Diesen Typus kenne ich selbstverständlich nur aus der Theorie, denn meine Kryptonit-Männer (und ja, es waren tatsächlich mehrere über die Jahre) haben mich allesamt verlassen und mir so krass das Herz gebrochen, dass ich bei jedem einzelnen dachte, ich steh nie wieder auf. Bin ich aber überraschenderweise doch.

Lustig ist: Bei jedem dachte ich ebenfalls, dass er jetzt aber ganz sicher endgültig dieser ganz besondere Mensch ist, mein Seelenverwandter, der mich immer irgendwie begleiten wird. Rückblickend betrachtet waren aber 95% davon einfach nur Trottel, die im Laufe der Zeit zu irgendeinem Zeitpunkt dann richtig doof zu mir waren.

Romantische Verklärung: Mein Lieblingshobby

Irgendwie hat mich dieser Gedanke aber getröstet. Dass es ja sicher nur der falsche Zeitpunkt war, an dem wir uns getroffen hatten. Die Männer waren zu jung, zu freiheitsliebend, zu unreif, zu verletzt von der letzten Beziehung und der Scheidung der Eltern in ihrer Kindheit, zu… you name it.  Eine romantische Vorstellung, dass einfach die Umstände unsere perfekte Beziehung verhindert haben. Und sie eines Tages die Erleuchtung haben würden, in mir die einzig wahre Prinzessin zu erkennen und reumütig zu mir zurück zu kehren.

Ich will nicht spoilern, aber… nun ja. Der einzige, der sich tatsächlich nach Jahren wieder gemeldet hat, war einer, der sonst nichts auf der Kette hatte und wieder einen Deppen gesucht hat, der es mit ihm aushält. Weil er wohl tatsächlich gemerkt hat, dass das nicht sooo einfach ist. Glücklicherweise war ich da schon mehr als drüber weg und nicht gewillt, mich nochmal wie Dreck behandeln zu lassen. Sein Pech. Und wenn ich ehrlich bin, war das auch keiner von denen, die ich für mein perfektes Match gehalten hatte.

Bei den meisten anderen blieb alles wie es war und ich konnte weiterhin in meinen verklärten Rückblicken schwelgen und betrauern, dass da wirklich nichts mehr zu holen war. Obwohl ich sonst ein relativ realistischer Mensch bin, habe ich sehr lange gebraucht, bis ich das ablegen konnte. Und zugegeben: Bei aktuellen „Vorkommnissen“ fällt mir das noch immer schwer.

Aber inzwischen kann ich aus vollkommener Überzeugung in den Spiegel sehen und über die meisten sagen „Der hatte einfach keinen Bock auf dich.“ Ohne in Tränen auszubrechen. Mir stockt nicht mehr der Atem, wenn ihre Namen in Gesprächen erwähnt werden.

Trotzdem setzt mein Herz kurz aus, wenn bestimmte Namen fallen

Ok. Manchmal schon. Meistens kommt das ja unerwartet. Und dann hüpft mein Herz schon ganz kurz. Aber kein Vergleich mit dem, was da früher so in mir los war. So geht es mir aber eigentlich mit allen Männern, die mir mal was bedeutet haben. Mich wird immer interessieren, was sie machen und ich freue mich, wenn das Gespräch auf sie kommt. Und ich manchmal auch erfahre, dass Karma eben doch zurückschlägt. Und vielleicht bin ich dann auch ein bisschen schadenfroh. Blöd nur, dass das meistens erst dann passiert, wenn es einem egal ist.

Inkognito durch den Supermarkt: kann ich. Zur Zeit noch viel besser. Mit Maske nämlich.

Und doch gibt es Situationen, in denen ich aus der Bahn geworfen werde. Bei fast jedem dieser Kerle. Nämlich dann, wenn ich sie unverhofft treffe. Wenn ich Glück habe, sehe ich sie zuerst. Dann setzt mein Herz kurz aus. Mir wird warm. Und ich überlege, ob ich mich verstecken soll. Ob ich es tatsächlich tue, kommt ganz auf die Situation an. Sind sie allein? Oder mit Frau und womöglich Kind? Mit Kumpels?

Und ich? Allein, Kacke angezogen, ungeschminkt und mit einem leuchtenden Pickel auf der Stirn? Alles Faktoren, die man innerhalb von Sekunden berücksichtigen muss, um eine Entscheidung zu treffen. Gut, da ich ähnlich reagiere, wenn ich Leute aus der Schule sehe, auf die ich keinen Bock habe, bin ich darin schon sehr geübt. Aber das ist schon nochmal eine andere Nummer.

Eine Zeitlang habe ich immer mal wieder meine große Liebe aus der Schule im Supermarkt gesehen. Im Trainingsanzug. Wie sein Vater früher, der Fußballtrainer war und den ich eigentlich nur in dieser Uniform kannte. Da er sich das eine Mal, als ich wirklich direkt an ihm vorbeimusste, gerade mit jemandem unterhielt, konnte ich mich schnell an ihm vorbeidrücken. Und in mich reingrinsen, weil er sich gefühlt nicht großartig weiterentwickelt hatte in den letzten 20 Jahren. Stattdessen sah ich verträumt zu einer jungen Mutter, die ein sehr kleines Baby im Maxi Cosi dabei hatte.

Regel Nummer 1: Nie zu lange in fremde Kinderwagen starren.

Offenbar habe ich eine Sekunde zu lang grenzdebil ihr Kind angestarrt, denn sie starrte zurück. Und einige Runden im Supermarkt später stellte ich fest, dass mein Schulschwarm direkt bei ihr stand und sie auf mich zeigte. „Das ist doch die Bekloppte aus der Schule, die dir immer hinterhergelaufen ist.“

Ich glaube, ich habe selten so schnell den Weg zur Kasse gefunden. Na klar, das war sie. Die, mit der er kurz nach mir zusammen gekommen war und die fortan bis zum Abitur mein persönliches Hassobjekt sein sollte. Und ich bin allein unterwegs. Klasse. Zum Glück hab ich ihn nicht angesprochen, was ich für eine Sekunde in Erwägung gezogen hatte. Wenigstens seh ich heute echt gut aus. Und du bist ein kariertes Esprit-Mädchen mit komischen Schuhen und vollgekotztem T-Shirt. Höhö.  

Naja, ganz so einfach ist es natürlich dann doch nicht. Aber es tut gut zu sehen, dass man nach dem ersten Schrecken des Zusammentreffens mit einem früheren Kryptonit-Mann, von dem man dachte, dass man nie über ihn hinwegkommen würde, feststellt, dass das Leben weitergeht. Und er noch immer im Trainingsanzug in den Supermarkt geht.

Mittlerweile hab ich diese Romantisierungen fast durchgehend im Griff. Richtig aus der Bahn werfen mich nur noch ganz aktuell vergangene Liebschaften. Und ein einziger Exfreund, den ich nach mehr als 10 Jahren beim Einkaufen getroffen habe. Und was hat er gekauft? Na klar. Den Klassiker. WINDELN. Aber auch hier blieb am Ende eigentlich nur ein „Ja, ich weiß jetzt wieder, warum ich mich damals in den verliebt habe.“ übrig. Manche Dinge haben einfach ihre Zeit hinter sich. Und trotzdem werde ich mich immer erstmal hinter den Tomaten verstecken, wenn einer von ihnen unverhofft auftaucht.


Habt Ihr auch einen Kryptonit-Mann? Oder mehrere? Und ist es mit diesem Phänomen einfach schlagartig vorbei, sobald man selbst in einer glücklichen Beziehung ist und nicht mehr so oft zurück schaut? Erzählt mir von euren Schatten aus der Vergangenheit, hier, auf Facebook, Instagram oder Twitter.


Einen ähnlichen Artikel zum Thema vergangene Beziehungen findet ihr hier:

…und scheiß auf Freunde bleiben.

One thought

  1. Ich finde „Kryptonit“ sehr witzig.
    In der Vergangenheit habe ich auch mit solchen Begriffen gearbeitet. Ich entschied mich allerdings gegen Kryptonite zu immunisieren. Es dauerte ein wenig, bis ich verstanden habe, dass es nicht die Kryptonite sind, welche einen schwach machen. Es ist das elendige Gefühl, dass zurück bleibt, wenn wir alle erfahrener, erwachsener und was weiß ich noch geworden sind und genügend Gras über die Gründe der Beendigung einer Beziehung gewachsen ist. Das was knabbert, sind die eigenen nie zugegebenen falschen Bewertungen, Fehler und Uneinsichtigkeiten. Ich habe so einige Beziehungen in die Wand gefahren, bin quasi sehr erfahren darin. Ich habe jedoch Grundlegend meinen Umgang mit dem Kryptonit geändert. Heute bin sehr sehr dankbar, dass ich jede Frau in meiner Vergangenheit an meiner Seite hatte. Ich bin dankbar, dass ich sie lieben durfte und die gemachten Erfahrungen zu Erinnerungen wurden. Ich liebe jede einzige bis heute, nur auf andere Weise. Keine einzige möchte ich zurück, es würde nicht funktionieren, aber was wäre ich für ein Arsch, wenn ich einen Menschen, den ich liebte heute, nicht das beste und schönste Leben wünsche, dass man sich vorstellen kann. Meist muss man sich selbst dafür vergeben. Gar nicht leicht in einer Welt in der ständig Perfektion gefordert wird, denn ein Zugeben des eigenen Fehlers, ein Vergeben und annehmen des eigenen Fehler, ist das Eingeständnis von dem Gegenteil des Perfektionismus.
    Jede einzelne Dame könnte mich jederzeit anrufen und um Hilfe bitten. Gerne bin ich bereit dies zu tun. Es spricht nichts dagegen, denn all die Damen verhalfen mir zu dem zu werden, dass ich heute bin. Ich verstehe, dass es für die eine schwerer ist als für die andere, dass die eine mir lieber Ohrfeigen geben will und die andere mir geben würde, als gerechtfertigt wäre. Ein Lächlen, ein Danke, ein „Cafe-to-Go“ reichen mir anschließend völlig aus.

    LG
    Herr Rausch

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