Dating mit Ende 30 – Das Ende des Anspruchs auf Anspruch? Don’t think so.

Ende 30 daten zu müssen, ist Scheiße. Besonders als Frau. Und wer was anderes sagt, der lügt. End of story. Wirklich. Und insgeheim denkt sowieso jeder „mit der stimmt doch was nicht, so lange KANN man einfach nicht Single sein.“ Tja, liebe Langzeitvergebenen. Man kann. Und ob Ihr’s glaubt oder nicht: Jeder von uns Singles hat sich ebendiese Frage schon tausend Mal selbst gestellt. Aber – Überraschung: Auch jahrelange Selbstzerfleischung, weil man anscheinend nicht ganz normal sein kann, führt nicht zum Ziel. Im Gegenteil.

Da sitzt Ihr also auf Eurem hohen Ross und blickt ab und zu mitleidsvoll nach unten. „Naja, bei deinen Ansprüchen ist das ja auch kein Wunder.“ Ach ja, stimmt. Einen Mann zu wollen, der das Subtrahieren im zweistelligen Bereich beherrscht, nicht vorbestraft ist und einen nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit betrügt, weil sein Ego noch kleiner ist als sein… Moment, ich schweife ab… das ist natürlich den Frauen unter 30 vorbehalten. Geschweige denn einen ohne Kinder nebst Exfrauanhang, dessen letzterer im schlimmsten Fall per Sorgerechtserpressung im letzten Moment deine Wochenendpläne oder gar dein ganzes Leben umschmeißt. Alles schon erlebt.

Und ja, es ist ein Klischee, aber die besten sind halt einfach meistens schon weg. Als ich 12 war – das war 1992 –, haben die Girls und ich uns immer über einen Spruch beömmelt: „Männer sind wie Klos. Entweder besetzt oder beschissen.“ Was soll ich sagen. Still true in 2019. Und es ist ja nicht so, dass ich einen Jude Law… halt mal, der hat seine Frau mit der Nanny betrogen. Next.

Ich meine, wenn ich mir die letzten Männer, die eine mehr oder weniger große Rolle in meinem Leben gespielt haben, anschaue (und für’s Protokoll: das Weniger war in fast allen Fällen ihre Entscheidung. Nicht meine.), waren die jetzt optisch auch kein Prinz Carl Philip von Schweden. Hoppla. Ähm. Sorry Jungs,  für mich seid Ihr immer die Schönsten gewesen. Und das meine ich verdammt ernst. Also, was ich eigentlich sagen möchte: Der erste optische Eindruck spielt doch oft eine viel kleinere Rolle, als man landläufig annehmen würde.

Prinz Carl Philip von Schweden ♥. Leider verheiratet. Wie die meisten guten Kerle.

Natürlich würde ich lügen, wenn ich sage, dass man sich in jeden Eimer verlieben kann. Es muss eine Anziehung da sein. Aber – und das ist die Krux an der Sache der Erwachsenenwelt: Die entwickelt sich ganz oft erst, wenn man sich eine Weile kennt. Auch hier wieder der Verweis auf meine letzten Männer: Keiner von ihnen hat mich bei der ersten Begegnung sofort aus den Latschen gehauen. Mittlerweile gehen bei mir sogar die Alarmglocken los, wenn das wider Erwarten nach Jahren doch mal wieder passieren sollte. In solchen Fällen verlasse ich mein kopfgesteuertes Realismus-Ich und werde zu einem willenlosen Dummchen, das fast alles mit sich machen lässt. Auch not so good.

Überhaupt ist „kopfgesteuert“ ein gutes Stichwort. Der selbstreflektierte Single Ü30 macht sich sehr wohl sehr viele Gedanken über seine Situation. Zu viele. Und zwar so lange, bis ein zwangloses Kennenlernen überhaupt nicht mehr möglich ist. Denn schließlich ist man ja auch selbst part of the Resterampe. Da wird dann innerlich bei jedem potentiellen Kerl ohne Vorstrafenregister die geheime Checkliste abgearbeitet. Weil der Nächste unbedingt der für’s Leben sein muss, denn man sieht ja das sich schließende Tor schon rasend auf sich zukommen. Aber genau das verhindert, was zum Ziel führt: Nicht dauernd einen potentiellen Partner in jedem Mann zu sehen und wieder auf sein Bauchgefühl zu hören.

Natürlich ist einem nicht mehr wie damals mit 16 egal, dass der Typ keinen Schulabschluss hat und man ihn daraus resultierend lebenslang durchfüttern muss. Denn er sieht ja aus wie Nick Carter. Das muss reichen. Aber manchmal wünsche ich mir doch partiell diese Blauäugigkeit zurück, die den Kopf zumindest ein bisschen runterfahren würde. Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn. Ach ja. Meinen hätte ich übrigens sofort haben können. Der ist 76 und macht mir gern mal ohne Gebiss die Tür auf. Wenn ich dann meine Ansprüche auf das meinem Alter angemessene Niveau runtergefahren habe, klingle ich vielleicht nochmal bei ihm.

Meinem Alter angemessen wäre wahrscheinlich auch, mich nur mit meinen MOMster-Freundinnen zu umgeben, die zwar geräuschlos, aber deutlich vernehmbar Druck aufbauen, weil es ja nun doch mal Zeit wird und dies in mehr oder weniger gut gemeinten Versuchen sugarcoaten, mich mit dem letzten männlichen verbliebenen Single in der Gang zu verkuppeln. Denn es ist ja quasi Gesetz, dass man den nehmen muss. Stell dich mal nicht so an, bist ja keine 20 mehr. Und 30 auch nicht. Und nett ist der ja auch. Und hahakicherkicher, außerdem ist sie für uns ultralustig, diese weit entfernte Galaxie des Datings, die wir nur noch vom Hörensagen kennen. Und es ist echt mal wieder totaaal craaaazy, daran teilhaben zu können. Mit viel Sicherheitsabstand natürlich. Weil wir sind ja vergeben und aus der Schusslinie.

Höhepunkt dieses erbärmlichen Schauspiels: Letztens – und das ist leider kein Witz – gründete ein Freund von mir eine WhatsApp-Gruppe. Teilnehmer: Er, ich und besagter übriggebliebener männlicher Single. Es folgte ein Text im Die Bachelorette-Style, in dem von ihm beschlossen wurde, dass wir von nun an 10 Tage zusammen sein müssen, da wir vorher überhaupt kein Recht hätten, zu behaupten, es würde nicht passen. Ich habe die Gruppe nach etwa dreieinhalbminütiger Mitgliedschaft verlassen.

Freunde der Nacht. Wenn Ihr Euren Singlefreunden einen Gefallen tun wollt, dann geht mit ihnen an Orte, an denen sie neue Leute kennenlernen können. Das ist nämlich unser eigentliches Problem. Wer einer geregelten Arbeit nachgeht, trifft nicht mehr so viele Menschen wie noch zu Schul- und Studentenzeiten. Und – Pardon – auf Eurem mit Babybrei vollgekotzten Sofa lernen sie auch maximal andere Eltern kennen. Wer da keinen Skandal provozieren möchte, sollte dann halt doch mal den Partner oder den Babysitter bemühen und für den einen oder anderen Abend wieder in die geheimnisvolle Welt der ausgehenden Bevölkerung eintauchen.

Und bitte: Versucht nicht, schon beim Anstehen vor dem Club die Singlefreundin mit dem Erbsenhirn von Türsteher zu verkuppeln, damit Ihr zeitnah wieder Eure Ruhe habt. Am Ende müsst Ihr Euch ja sowieso wieder das Geheule anhören. Es geht darum, den Kreis der potentiellen Prince Charmings wieder möglichst groß zu machen. Denn Tinder ist meistens auch keine Lösung. Aber dazu ein andermal.

A little party never killed nobody. Schon gar nicht, wenn man der Singlefreundin damit einen Gefallen tun kann.

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